Antony Gormley’s Horizon Field

Mit Fotografie hat das Horizon Field von Antony Gormley in den Deichtorhallen Hamburg wenig zu tun. Dachte ich zumindest. Daher hatte ich auch gar nicht vor, es mir mal aus der Nähe anzuschauen. Da ich gestern aber eh in Hamburg unterwegs war, um mir die Ausstellung ‘New York Photography 1890-1950 – Von Stieglitz bis Man Ray’ anzuschauen, lag das Horizon Field sozusagen auf dem Weg. Gleich vorweg: Der Eintritt ist kostenlos, dafür riskiert man aber Leib und Leben – könnte man meinen, denn man muß sich zunächst anmelden und unterschreiben, daß man, obwohl die Deichtorhallen alles für die Sicherheit der Besucher unternommen haben, im Fall der Fälle selbst die Schuld an seinem Ableben hat.

Aber alles halb so wild – das bezieht sich bei näherer Betrachtung eher auf ein eventuelles Herunterfallen, da das Horizon Field logischerweise keine Geländer an den Seiten hat. Und wer dann über den Rand springt… Na ja… Die Konstruktion sieht ansonsten sehr solide aus, und wenn zu stark auf dem Ding herumgehüpft wird, wird sofort ein akustisches Signal ausgelöst. Und da es selbst mich ausgehalten hat, ist wohl davon auszugehen, daß es recht stabil ist. Schaut man sich das Horizon Field von unten an, wirkt es, mit Abmessungen von 49 x 25 Metern und in in 7,4 Metern Höhe aufgehängt, in der großen und ansonsten leeren Deichtorhalle schon recht imposant. Noch mehr beeindruckt die Fläche allerdings, wenn man erst einmal darauf steht. Leider ist die schwarze, spiegelnde Oberfläche bereits etwas zerkratzt und war gestern aufgrund der zahlreichen Besucher auch ein wenig verschmutzt, dennoch ist das Ding schon irgendwie interessant. Gerade in dieser Location. Die Besucher springen, toben, posieren oder aber liegen auch nur so herum.

So bietet zum einen das Horizon Field in Verbindung mit der Deichtorhalle an sich eine gute Möglichkeit, sich wieder einmal in der Architekturfotografie zu üben, andererseits kann man sich in gewisser Weise der Streetfotografie widmen, indem man die Besucher mit in das Bild nimmt, was sich auch kaum vermeiden läßt am Wochenende. In der Woche wird wahrscheinlich weniger los sein, so daß man das Horizon Field eventuell etwas mehr für sich und die Chance auf ein freies Bild hat. Kurzum: Der Sinn und Zweck des Horizon Field (Zitat Webseite Deichtorhallen: „Die hängende, leicht schwingende Fläche nutzt die strukturellen Möglichkeiten und den architektonischen Kontext des über 100 Jahre alten Gebäudes der Deichtorhallen, um die Besucher in Zeit und Raum im gegenseitigen Miteinander neu zu orientieren.“) bleibt mir irgendwie verborgen – dazu bin ich zu sehr Kunstbanause. Aber cool ist es dennoch und es macht Spaß, sich einfach mal in die Mitte zu setzen und zu beobachten, was die anderen Besucher so alles darauf anstellen. So macht auch das Fotografieren dort oben Spaß.

Ich kann einen Besuch also nur empfehlen. Bis zum 9. September 2012 ist das noch möglich. Informationen gibt es auf der Webseite der Deichtorhallen und auf der eigens eingerichteten Webseite für das Horizon Field.