S. Wickenkamp - Portraitfotografie, Peoplefotografie - Hamburg

Fotografie mit Folgen

Fotografie war und ist ein Ausgleich für mich. Etwas, das mir Spaß machen soll. Etwas, das mir Freude bringen soll. Etwas, das mich ausfüllen soll. Wenn ich also zur Kamera greife, ist das zumeist rein persönlich und etwas, das ich für mich mache. Natürlich ändert sich das, wenn andere Menschen vor meiner Kamera stehen. Dann sollen und müssen natürlich auch meine Modelle Spaß haben – am Shooting und auch beim Betrachten der Ergebnisse. Das ist meine Art und meine Einstellung zur Fotografie, so halte ich es seit Jahr und Tag.

Vor kurzer Zeit bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mir vorgenommen habe, von dieser Regel abzuweichen. Nein, nicht grundsätzlich. Nur für einen ganz besonderen Fall. Dieser ganz besondere Fall ist der Senior. Er ist sogar ein ganz besonders schwerer Fall, wenn es darum geht, ein Foto von ihm aufzunehmen. Beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Daß er Spaß an einem Fotoshooting haben würde, konnte ich also definitiv ausschließen. Dennoch wollte ich es durchziehen, denn da er schon einige Schicksalsschläge hinter sich hat und momentan wieder eine sehr schwere Zeit durchlebt, hatte ich mir aus meiner Not heraus, ihn immer wieder auf´s Neue aufbauen zu müssen und ihm eine Perspektive zu geben, ein Fotoshooting der etwas anderen Art überlegt.

Ich erzählte dem Senior im Krankenhaus von meiner Idee und sie stieß – natürlich – auf Ablehnung. Aber ich ließ nicht locker und schenkte ihm, als er zu Ostern aus dem Krankenhaus entlassen wurde, eine Fliegerhaube und die passende Brille dazu. Hinzu kam kurz darauf noch eine Lederjacke. Ein zunächst als Spaß gedachtes Outfit für seinen elektrischen Rollstuhl. Die Reaktion lag auf der Hand: „Ach was! Brauche ich nicht! Mache ich nicht!“. Aber Projekt ist Projekt und so ließ ich nicht locker und brachte das Shooting immer mal wieder zur Sprache. Zunächst ohne Erfolg.

Umso überraschter war ich aber dann, als ich ihn zwischendurch einfach mal wieder fragte, ob wir nun nicht mal so langsam wieder ein aktuelles Foto von ihm aufnehmen wollen, und er unerwarteterweise zustimmte. Also schlug ich ihm gleich vor, ihn in seinem neuen Outfit zu fotografieren. Nächste Überraschung: Er willigte ein. Sofort machte ich mich auf den Weg zum Kiosk, um schnell noch eine Zigarre zu besorgen. Dann schnellstmöglich Licht und Hintergrund aufgebaut – immer in der Panik, der Senior könnte seine Meinung noch ändern – und schon legten wir los. Zunächst etwas angespannt und angestrengt, dann aber kurzzeitig relativ locker. Kurzzeitig deshalb, weil wir beide nicht rauchen und sich deshalb nach ca. 10 Minuten alles vor unseren Augen drehte… Aber es waren einige Fotos im Kasten.

Jetzt bekam die ganze Sache eine unerwartete Wendung. Schon beim Durchschauen der entstandenen Fotos hatten wir beide(!) viel zu lachen – und das allein war schon den Aufwand wert, denn das hatten wir schon lange nicht mehr! Ich machte mich an die Bildbearbeitung in Adobe Photoshop Lightroom, wobei es tatsächlich gar nicht soviel an den Bildern zu tun gab. Kurze Zeit später zeigte ich ihm einige Ergebnisse und wir schmunzelten wieder. Also ging ich noch einen Schritt weiter und schlug ihm vor, eines der Bilder mal in Facebook etc. zu zeigen, denn es sind ja auch einige seiner Bekannten im Netz vertreten. Etwas zögerlich stimmte er mehr oder weniger zu.

Daraufhin folgte die nächste Überraschung. Eure Kommentare und Grüße kamen recht zahlreich und munterten den Senior immer mehr auf. Vorher doch recht skeptisch Facebook & Co. gegenüber, freute er sich immer mehr über jeden einzelnen Kommentar, den ich ihm vorlas. Und damit nicht genug: Das Bild ging tatsächlich mehr oder weniger um die Welt und bekam immer mehr Aufmerksamkeit. Daraufhin faßte er immer mehr Mut und bekam eine ganz andere Einstellung zur Fotografie und vor allem zu seinem Bild. Manchmal kam er von seinen Behandlungen wieder nach Hause und fragte gleich, wieviele Views das Bild denn nun schon hätte… Meine entsprechenden Auskünfte gingen dann stets mit einem Kopfschütteln und einem „Unglaublich!“, aber auch mit einem zufriedenen Lächeln seinerseits einher.

Dann das für mich bis dahin niemals für möglich Gehaltene: Ich sollte das Bild ausbelichten und bei ihm zu Hause aufhängen. Was soll ich sagen?! Mich hätte fast der Schlag getroffen! Eine Woche vorher wäre das niemals überhaupt nur denkbar, ja geradezu absurd gewesen! Nun hängt das Foto in 60×40 als Alu-Dibond an der Wand und macht ihm nach wie vor Freude. Unglaublich!

 

WW_II_FlightAce_III

 

Eine Fotografie mit Folgen, denn was mir dann wirklich beinahe den Rest gegeben hat, war sein Wunsch nach einem weiteren Bild! Ich dachte, ich hätte einen Hörfehler! Aber eine Idee ist schon da, die Vorbereitungen laufen. Die absolute Härte: Ich soll mich beeilen… *g* Das Ergebnis gibt es dann natürlich – extra für Euch – auch wieder auf meiner Facebook-Seite!

Vielen Dank also für die zahlreichen Kommentare, die vielen Grüße, das ganze Feedback aus aller Welt zu dieser Fotografie, die nun für mich viel mehr als eine solche ist!